Der Harzbulle, Leinöl auf Leinwand, 1988

harzquer robpferd

Bullig und kraftvoll präsentiert sich die Lokomotive dem Betrachter, scheinbar ein unzerstörbares Zeugnis von Industrialisierung und Ingenieurskunst. Aber Robert Pferd wäre nicht Robert Pferd, wenn er nicht auch hier die Bildaussage ironisch brechen würde. Da ist einmal die kleine Dampffahne, die nach unten weist. Sie steht einerseits für den Niedergang der industriellen Revolution und ihren Ersatz durch die digitale Revolution, andererseits für das Alter, die drohende Inkontinenz. Die scheinbare Mächtigkeit der Lokomotive wird außerdem effektvoll konterkariert durch den lila Lappen an der Luftpumpe (ein subtiler Verweis auf den auch in scheinbar maskulin besetzten Technikwelten größer werdenden Einfluss der Frauenbewegung) und den im Vergleich zur schieren Größe des Mechanismus filigran wirkenden Heizer, ohne den doch der Koloss nichts als eine Verdichtung von Stahl ohne Funktion wäre.
 

Die Idee für dieses Gemälde kam mir, als ich von einer ausgiebigen Kostprobe von Schierker Feuerstein auf dem Weg zurück ins Hotel war. Das letzte, woran ich mich erinnere, war der Anblick des gerade in Drei-Annen-Hohne ankommenden Zuges, der von vier nebeneinander fahrenden Lokomotiven in den Bahnhof gezogen wurde. Ich war so besessen von der Situation, daß ich die ersten Skizzen schon in der Ausnüchterungszelle in Wernigerode machte, noch bevor man mich dem Haftrichter vorführte.
(R. Pferd, in: Leben mit Likör-Exhibitionismus, Wege aus dem gesellschaftlichen Abseits, Falken Verlag 1988)


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Werke von Robert Pferd

An der Strecke IV, Heißdampföl auf Putzwolle, 1974
Fast lautlos rollt der Zug vorbei, winterlich der Wald im Hintergrund, aber ohne Schnee. Die Lok dampft kaum. Hier wurde meisterhaft der tief verwurzelte menschliche Wunsch nach eingängigen Klischees (Winter = Schnee) im Kontext seiner immer...
Der Harzbulle, Leinöl auf Leinwand, 1988
Bullig und kraftvoll präsentiert sich die Lokomotive dem Betrachter, scheinbar ein unzerstörbares Zeugnis von Industrialisierung und Ingenieurskunst. Aber Robert Pferd wäre nicht Robert Pferd, wenn er nicht auch hier die Bildaussage ironisch...
Der Kutter, Fischöl auf Persenning, 1978
Einsam kämpft sich das Schiff durch das graue Meer zurück in den sicheren Hafen. Rot strahlt der Rumpf, ein wärmeverheißendes Rot, aber auch das Rot des Blutes: Einerseits das Herzblut der Fischer, andererseits das Blut der gefangenen Kreaturen....
Der Nikolaus kommt, Zimtöl auf Zuckergrund, 1967
Eine anheimelnde Szene: Der Nikolaus steht mit prall gefülltem Geschenkesack auf dem Weihnachtsmarkt, beschirmt vom Weihnachtsbaum. Kinder, teilweise in Begleitung Erziehungsberechtigter, warten auf die Gaben. Doch die künstlerische Aussage, die...
Der Triebwagen, Heizöl auf MB-Tex, 1963
Einsam steht der Triebwagen an einem Wintertag vor dem verschneiten Bahnhof Sandberg. Nur ein alter Mann kämpft sich durch den frischen Schnee vom Bahnsteig herunter und scheint, dem Fahrzeug den Rücken kehrend, den Heimweg anzutreten. Alle anderen...
Die Laterne, Öl auf Leinwand, 1958
Hier hat der noch junge Künstler meisterhaft die winterlich-nächtliche Stimmung eingefangen, die von dieser Straßenecke in der Sandberger Altstadt Besitz ergriffen hat. Das Werk erhält aber seine Tiefe erst durch den allgegenwärtigen Subtext: Es...