Der Triebwagen, Heizöl auf MB-Tex, 1963

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Einsam steht der Triebwagen an einem Wintertag vor dem verschneiten Bahnhof Sandberg. Nur ein alter Mann kämpft sich durch den frischen Schnee vom Bahnsteig herunter und scheint, dem Fahrzeug den Rücken kehrend, den Heimweg anzutreten. Alle anderen Protagonisten erscheinen nur unscharf und schemenhaft. Die künstlerische Zielsetzung ist klar: Das Alter bewegt sich fort vom Trieb, der einsam zurückbleibt in einer von geisterhaftem Selbst bevölkerten Welt. Das Fahrzeug steht ja schon mit seinem Namen für die Virilität der Jugend - also jene, die noch den "Trieb wagen" - die aber gleichsam auf den Gleisen des täglichen Lebens nach gesellschaftlichem Fahrplan gefangen scheint. Jedoch: Obwohl es hier um Fahrzeuge geht (sowohl im Focus des Betrachters als auch als Beiwerk im Hintergrund) bewegt sich doch nur das Alter, der Trieb scheint in der Winterkälte erstarrt zu sein, gebrochen und an einem Haltepunkt angekommen. Der pastose, fast bröckelige Farbauftrag unterstreicht diese Interpretation eindrucksvoll.
{xtypo_quote}Ich kam an einem arschkalten Wintertag an den Bahnhof, ich war erst kurz vorher aufgestanden. Dort musste ich feststellen, daß der um 16.10 Uhr aus Erkorn angekommene Triebwagen erst um 18.00 Uhr wieder zurückfahren würde. Ich habe mir verdammt noch mal einen abgefroren bis dahin. Der alte Sack mit dem Stock lachte mich auch noch aus.
(Aus: Robert Pferd, Mein Leben als Kunstgenius, Hiepenkäuer und Flitsch 1968){/xtypo_quote}
 
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