Der Triebwagen, Heizöl auf MB-Tex, 1963

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Einsam steht der Triebwagen an einem Wintertag vor dem verschneiten Bahnhof Sandberg. Nur ein alter Mann kämpft sich durch den frischen Schnee vom Bahnsteig herunter und scheint, dem Fahrzeug den Rücken kehrend, den Heimweg anzutreten. Alle anderen Protagonisten erscheinen nur unscharf und schemenhaft. Die künstlerische Zielsetzung ist klar: Das Alter bewegt sich fort vom Trieb, der einsam zurückbleibt in einer von geisterhaftem Selbst bevölkerten Welt. Das Fahrzeug steht ja schon mit seinem Namen für die Virilität der Jugend - also jene, die noch den "Trieb wagen" - die aber gleichsam auf den Gleisen des täglichen Lebens nach gesellschaftlichem Fahrplan gefangen scheint. Jedoch: Obwohl es hier um Fahrzeuge geht (sowohl im Focus des Betrachters als auch als Beiwerk im Hintergrund) bewegt sich doch nur das Alter, der Trieb scheint in der Winterkälte erstarrt zu sein, gebrochen und an einem Haltepunkt angekommen. Der pastose, fast bröckelige Farbauftrag unterstreicht diese Interpretation eindrucksvoll.

Ich kam an einem arschkalten Wintertag an den Bahnhof, ich war erst kurz vorher aufgestanden. Dort musste ich feststellen, daß der um 16.10 Uhr aus Erkorn angekommene Triebwagen erst um 18.00 Uhr wieder zurückfahren würde. Ich habe mir verdammt noch mal einen abgefroren bis dahin. Der alte Sack mit dem Stock lachte mich auch noch aus.
(Aus: Robert Pferd, Mein Leben als Kunstgenius, Hiepenkäuer und Flitsch 1968)

 

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Werke von Robert Pferd

An der Strecke IV, Heißdampföl auf Putzwolle, 1974
Fast lautlos rollt der Zug vorbei, winterlich der Wald im Hintergrund, aber ohne Schnee. Die Lok dampft kaum. Hier wurde meisterhaft der tief verwurzelte menschliche Wunsch nach eingängigen Klischees (Winter = Schnee) im Kontext seiner immer...
Der Harzbulle, Leinöl auf Leinwand, 1988
Bullig und kraftvoll präsentiert sich die Lokomotive dem Betrachter, scheinbar ein unzerstörbares Zeugnis von Industrialisierung und Ingenieurskunst. Aber Robert Pferd wäre nicht Robert Pferd, wenn er nicht auch hier die Bildaussage ironisch...
Der Kutter, Fischöl auf Persenning, 1978
Einsam kämpft sich das Schiff durch das graue Meer zurück in den sicheren Hafen. Rot strahlt der Rumpf, ein wärmeverheißendes Rot, aber auch das Rot des Blutes: Einerseits das Herzblut der Fischer, andererseits das Blut der gefangenen Kreaturen....
Der Nikolaus kommt, Zimtöl auf Zuckergrund, 1967
Eine anheimelnde Szene: Der Nikolaus steht mit prall gefülltem Geschenkesack auf dem Weihnachtsmarkt, beschirmt vom Weihnachtsbaum. Kinder, teilweise in Begleitung Erziehungsberechtigter, warten auf die Gaben. Doch die künstlerische Aussage, die...
Der Triebwagen, Heizöl auf MB-Tex, 1963
Einsam steht der Triebwagen an einem Wintertag vor dem verschneiten Bahnhof Sandberg. Nur ein alter Mann kämpft sich durch den frischen Schnee vom Bahnsteig herunter und scheint, dem Fahrzeug den Rücken kehrend, den Heimweg anzutreten. Alle anderen...
Die Laterne, Öl auf Leinwand, 1958
Hier hat der noch junge Künstler meisterhaft die winterlich-nächtliche Stimmung eingefangen, die von dieser Straßenecke in der Sandberger Altstadt Besitz ergriffen hat. Das Werk erhält aber seine Tiefe erst durch den allgegenwärtigen Subtext: Es...