Die Recycling-Hängelampe PRINTÅ

Licht auf der Modellbahn hat etwas magisches. Selbst die schlichteste Anlage wird durch ein paar gut platzierte Lichter zu etwas ganz besonderem, außerdem sehen im sanften Schein der Lämpchen selbst Nietenzählermordende Modellbausünden irgendwie nett aus. Die LED-Technik eröffnet inzwischen interessante Möglichkeiten - noch dazu ist sie dank Massenfertigung der Bauteile sehr preiswert. Meine kleine Blechhängelampe ist sogar bis auf die "Glühbirne" ein reines Abfallprodukt, das man in wenigen Bauschritten fertigstellen kann. Sie ist universell einsetzbar und macht ein sehr angenehmes, echt wirkendes Licht. Wäre ich IKEA, würde die Lampe wahrscheinlich PRINTÅ heissen, denn sie wird (in meiner "Schrott wird flott"-Version) aus alten Druckplatten hergestellt.

Und so gehts:

  1. Gehen Sie in eine Offsetdruckerei. Gehen Sie direkt dorthin, heben Sie keine 4000 Euro ab, denn das ist nicht notwendig. Fragen Sie nach einer alten Druckplatte. Am besten sind die Platten von kleinformatigen Offsetmaschinen, die sind handlich und aus dünnerem Blech. Außerdem sollten Sie nach einem alten Papierbohrer fragen. Die sehen etwas anders aus als man es von der heimischen Bohrmaschine kennt – eher wie ein unten angeschliffenes Rohr mit einem zylindrischen Kopfteil zum Einspannen, ideal für unsere Zwecke. Obacht: der Durchmesser des Bohrers bestimmt nachher den Durchmesser unseres Lampenschirmes. 5mm ist eine ganz gute Größe.
    Sowohl die Druckplatte als auch der Bohrer sollten problemlos für einen Kaffeekassenobulus zu bekommen sein. Bei der Druckplatte genügt im Grunde ein kleines Stück (A5-Größe reicht für jede Menge Lampen). Natürlich kann man auch andere Blechsorten nehmen, es sollte nicht wesentlich stärker als 0,3mm sein. Getränkedosen wären z.B. eine Alternative. Außerdem sollte es aus eher weichem Material sein. Alublech ist ideal, weil es sich gut verformen lässt.
    Papierbohrer und alte Druckplatte
    Auch der Papierbohrer ist natürlich durch ein Locheisen substituierbar, aber das bekommt man eher selten geschenkt. Klar kann man das auch eleganter und mit gekauften Materialien machen. Aber die Idee lautet nunmal „Schrott wird flott“. Nicht meckern - seien Sie einfach mal kreativ!

  2. Tragen Sie ihre gerade erworbenen Schätze nach Hause. Bestellen Sie bei einem Anbieter Ihres Vertrauens (ich habe recht gute Erfahrungen mit diesem Anbieter gemacht, da gibt es auch viele Zubehörteile) im Internet Miniatur-LEDs der Größe 0603 oder kleiner, um Ihrer mentalen Unversehrtheit zuliebe mit bereits angelöteten Drähten (Kupferlackdraht oder Microlitze spielt keine Geige). Farbe der LED: Weiß nach eigenem Ermessen... noch vor 15 Jahren konnte man sich weiße LEDs überhaupt nicht vorstellen, heute bekommt man gefühlte 70 Weißabstufungen...

    Mit beherztem Hammerschlag...
  3. Jetzt wird’s endlich handwerklich: Nehmen Sie ein Stück dicke Pappe oder Holz als Unterlage. Dieselbe sollte fest genug sein, um dem Bohrer genug Widerstand entgegenzusetzen, aber – wichtig! – weich genug, daß sich die ganze Geschichte bei nun erfolgenden Ausstanzen des Lampenschirmes mittels Hammer und Papierbohrer in eine schüsselartige Form begibt. Also: Pappe drunter, Druckplatte oder Ersatzblech drauf (bei unterschiedlichen Seiten die blanke Seite nach unten) und mit dem Papierbohrer und einem beherzten Schlag die erste Lampe ausstanzen. Dann die zweite, dritte... bis die gewünschte Anzahl erreicht ist.

    Loch reinbohren...

  4. Normalerweise drückt sich beim Ausstanzen das Blech nun ein Stück in die Pappe ein und bekommt ganz von selbst die geschüsselte Form des Lampenschirmes. Nun können wir einigermaßen mittig ein kleines Loch reinbohren. Entweder professionell mit Stiftenklöbchen und Minibohrer oder so wie ich grobmotorisch mit einem spitzen Skalpell. Praktischerweise hält der zukünftige Lampenschirm in seiner selbstgeschaffenen Vertiefung einigermaßen still. Dann den Lampenschirm vorsichtig mit dem Skalpell von der Pappe lösen.

  5. Nun kommt der fummelige Teil: Das winzige Kabel der winzigen LED nun durch das winzige Loch in der Lampe fädeln (klappt bei mir inzwischen einwandfrei beim 12. bis 7430. Versuch, also durchhalten!)

    ...durchfädeln...
  6. Mit einem Tropfen Sekundenkleber sichern. Die LED dabei so anordnen, daß sie nach unten strahlt. Aufpassen: Die Kontakte der LED sollten nicht direkt mit dem blanken Blech in Berührung kommen! Der Sekundenkleber isoliert aber ganz gut. Wer mag, kann ein Lampenglas mit einem Tropfen klarem Alleskleber simulieren.

  7. Fertig. Viel Spaß mit der Hängeleuchte PRINTÅ! Natürlich sollten die üblichen Maßgaben zum Betrieb der benutzten LEDs zur Anwendung kommen, sprich entsprechender Vorwiderstand oder besser Konstantstromquelle. Wenn Sie wollen, können Sie den Lampenschirm natürlich in der gewünschten Farbe anpinseln. Druckplatten als Ausgangsmaterial haben auch hier wieder einen Vorteil: Sie sind auf der Druckseite mattgrau bis -grün und geben auch unbehandelt einen lackierten Schirm super wieder. Da reicht dann etwas Farbe fürs Kabel und fertig....fertig!

Geht man von den üblichen Preisen von bedrahteten LEDs im Internet aus, kostet diese Hängelampe außer etwas Schweiß nicht wesentlich mehr als 50 Cent. Voila. Bastelst Du noch oder beleuchtest Du schon?

 


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