Erleuchtung im Rathaus

Das Rathaus von SandbergMan sagt ja den heutigen Politikern im Allgemeinen und den Kommunalpolitikern im Besonderen nach, daß sie eher weniger auf die Belange ihrer Wähler eingehen. Das mag schon teilweise zutreffen. Oft genug ist es aber interessant, gerade im Rahmen der heute gerne von Meinungsverbiegern genutzten Politikverdrossenheitsdebatte auf das allfällige "Die interessieren sich ja nicht für meine Probleme" ein "Haben Sie es denn mal versucht, die Leute direkt anzusprechen auf ihre Malaisen?" zu setzen. Die Antwort wird in der überwiegenden Anzahl der Fälle erstmal ein langes Gesicht sein und dann ein "Äääääh, nee...", ziemlich rasch gefolgt von einem trotzig nachgesetzten "Würde ja eh nischt bringen..." Das würde ich so nicht unterschreiben. Ich kenne viele Kommunalpolitiker aller Couleur, die durchaus versuchen, einen guten Job zu machen und die trotzdem nicht von Begeisterung getragen werden, weil ihnen die Gabe des hellseherischen Wissens um das spezielle Problem des Einzelnen fehlt. Oder anders gesagt: Es ist einfach, sich von der Politik missachtet zu fühlen, wenn man zuhause auf der Couch sitzt und schmollt. Von sich aus wird kein Bürgermeister an der Tür klingeln und fragen "Wo hängt's jetzt speziell bei Ihnen?" Verstehen kann ich selbstverständlich den Unmut derer, die es versucht haben und an der Bürokratie abgeprallt sind. Aber wie gesagt: Die meisten haben es nicht mal probiert - und es gibt durchaus Möglichkeiten.Einblick in die Stadtverwaltung 1

Doch nun zum Thema: Das Sandberger Rathaus ist eigentlich das von Alsfeld. Also modellmäßig. Das wunderschöne Modell des Alsfelder Rathauses von Kibri ist ein typischer Vertreter der höchsten Vollendungsstufe der von der einst legendären Waiblinger Firma perfektionierten mehrfarbigen Spritzgußtechnik. Die Putz- und Holzteile der Fachwerkfassade sind ab Werk schon ein Teil, passen perfekt, haben eine tolle matte Schnell zerlegt dank StecksystemOberfläche ohne Kunststoffglanz, von dem praktischen und stabilen nahezu klebstofffreien Stecksystem beim Zusammenbau mal ganz zu schweigen... ich gerate gerade etwas ins Schwärmen, aber meines Erachtens waren diese Kibri-Gebäude zu ihrer Zeit absolut "Top of the pops" und spielen auch heute noch in der obersten Liga. Gut, daß Viessmann nach dem unwürdigen Beinahe-Untergang von Kibri wenigstens die Formen und den Namen retten konnte.

Das Alsfelder/Sandberger Rathaus ist ein ganz ordentlicher Klotz, eigentlich viel zu groß für meine winzige Anlage, aber auch hier siegt persönliches Gefallen über modellbauerischen Anspruch. Es hat ein offenes, komplett detailiertes Erdgeschoß. Leider sieht es mit Beleuchtung eher mau aus. Ich hatte kurz und bündig eine Lampe ins Innere gelegt, alles prima, es leuchtet ganz nett, aber das wird dem schönen Haus nicht gerecht. Deswegen ist es jetzt das erste Gebäude, das mit Arduino-gesteuerter Mehrfachbeleuchtung ausgestattet wird. 

Mit dunkelroter Auslackierung und montierter BeleuchtungDa gibt es mehrere Ansätze dazu. Natürlich kann man wie oft im Internet gesehen und auch von Viessmann großserienmäßig geliefert, hinter jedes Fenster einen Leuchtkasten bauen. Das wäre mir aber irgendwie zu unruhig, wenn dann jedes Fenster anders leuchtet. Bei einem Wohnhaus fände ich es ok, aber das Rathaus muß jetzt nicht so arg ausgefeilt sein.

Also habe ich es jetzt erstmal zerlegt (dank Stecksystem "piece of cake"), die Fenster abgeklebt und das Gebäude von innen mit matt dunkelroter Farbe angespritzt. Warum matt dunkelrot? Weil ich da noch eine Dose hatte und die Farbe relativ wurst ist, es soll nur das letzte Quentchen Durchscheinen verhindern und das tut es. (Das Gebäude hat keine Lichtschutzmaske im Inneren, entweder weil ich sie mal verbaselt habe oder es hatte keine, weil die Fenster alle mit "Butzenfolie" hinterklebt sind). Ich kaufe heute eine Dose Mattschwarz für die anderen Gebäude. 

Dann habe ich aus 2mm-Graupappe eine schlichte Einteilung gemacht. Das ist einfach, billig und schnell erledigt. Dabei habe ich jedes Stockwerk grob in Räume eingeteilt. Dank der folierten Fenster erübrigt sich eine weitere Detailierung des Inneren völlig. 

Für die offene Halle im Erdgeschoß habe ich mir etwas besonderes überlegt: Dort soll  nach dem Vorbild von Rothenburg ob der Tauber eine Krippenszene entstehen. Dazu muß auch die Halle entsprechend beleuchtet werden. Leider sind die beiden vorhandenen Hängelampenattrappen ausgerechnet aus dunkelgrauem Kunststoff gespritzt und somit komplett unbrauchbar. Ich wollte sie durch zwei zum Zylinder abgedrehte 5mm-LEDs ersetzen, es hat sich aber gezeigt, daß eine völlig ausreicht.

Achtung, Premiere: Zum ersten Mal habe ich ein Programm für den Arduino geschrieben, das funktioniert wie es soll. ***freu!!!*** Minutenlang stand ich von meiner Leistung schwer beeindruckt vor dem tatsächlich wechselnd leuchtenden Haus. Ich habe mir einige Anregungen aus dem Internet geholt und verschiedene Ansätze verfolgt, bin dann aber darauf verfallen (die Programmierer-Nerds mögen das Lachen mal wenigstens ein paar Minuten zurückhalten), die LEDs nicht ein-, sondern zufällig auszuschalten. Das heißt: Programmablauftechnisch werden alle LEDs erstmal angeknipst und dann werden eine oder mehrere zufällig ausgewählte LED zufällig für eine zufällige Zeit vorübergehend abgeschaltet. Der programmiertechnische Aufwand hält sich in relativ engen Grenzen und es funktioniert tatsächlich. Will sagen: Ich finde es genau richtig.

Und so geht zumindest im Rathaus von Sandberg immer mal wieder das Licht an. Im Bürgermeisterbüro ist es Neonlicht, dargestellt durch eine reinweiße LED. Und ich kann nicht meckern: Der Bürgermeister hat eine sehr ordentliche Arbeitsmoral und dem Stadtrat geht erfreulich oft ein Licht auf. Geht doch.


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