Flackerfrei aber nicht bio: Einfache Wagenbeleuchtung

In HOe ist die Beleuchtung von Personenwagen ein altes Leiden: Die preiswerten Liliput-Wagen vom Eisenbahnflohmarkt, die ich mir leisten kann, weisen nicht mal eine Vorbereitung dafür auf. Mal ganz davon abgesehen, daß starre Zweiachser ohne pendelnd gelagerte Achsen schon ohne bremsende Schleifer ein grausliges Laufverhalten zeigen, dürfte das Ganze bauartbedingt in arges Geflacker ausarten. Sicher, es gibt die Möglichkeit, mit Pufferkondensatoren zu arbeiten. Setzt aber auch voraus, daß eine Stromabnahme überhaupt existiert. Und da sieht es im wahrsten Sinne des Wortes finster aus.

Liliput-Postwagen mit LED-Beleuchtung

Also, nicht jammern, sondern Alternativen suchen.

Hier begehe ich die erste Schweinerei. MIt Vorsatz. Im Internet kann man bei den da-kauft-man-nicht-ein-als-verantwortungsvoller-Konsument-Kaufhäusern wie amazon (üäh!) oder ebay (e-gitt!) für sehr kleines Geld allerlei elektronische Bauteile erwerben. Wobei die Preise nicht nur bei China-Direktimporten recht günstig sind. Ich erstand also für insgesamt deutlich unter 20 Euro inklusive Porto ein paar interessante Dinge:

  • SMD-Schiebeschalter. Aus Hongkong für 1,49 Euro. 50 Stück. Inklusive Porto! (OK, da kommt bei mir schon so ein leises Ausbeutergefühl auf. Ich bestell gleich noch ein paar, dann kann ich mich endlich wie mein Ex-Chef fühlen...)
  • 3V-Knopfzellen, Original VARTA, im Tray, deutscher Anbieter.
  • Knopfzellenhalter, sehr solide und preiswert, ebenfalls "Patriotenkonform" von einem Anbieter aus dem "Reichsgebiet" (wie Xaver aus Mannheim sagen würde).
  • Jede Menge SMD-LEDs habe ich sowieso für Beleuchtungszwecke aller Art in der Bastelkiste.

Daraus eine Wagenbeleuchtung machen, ist nicht wirklich schwer:

  1. Feststellen, welcher der fieseligen, haarfeinen Kupferlackdrähte, die an die sandkorngroße LED gelötet sind, an die Anode und welcher an die Kathode angelötet ist (denn das sind sie schon, juhu!)
  2. Die Enden entsprechend der richtigen Polung an den Batteriehalter anlöten (kriege ich noch so eben hin)
  3. Den klitzeklitzeklitzeklitzekleinen Schalter in eines der Kabel reinlöten, indem man das kupferfarbige Haar um die zwei irrwitzig kleinen Lötfähnileinikleinchen des Schalterchens wickelt, dann anlötet und den Draht zwischen den Lötstellen durchtrennt (das ist die einzig brauchbare Methode, die ich hart am Rande des kompletten Nervenzusammenbruches schließlich entwickelt habe. Wichtig: Die Stelle, an die der Schalter kommt, vorher extrem vorsichtig abisolieren, indem man den Lack mit einem scharfen Messer und ruhiger Hand abkratzt. Ich bin ein Blindfisch. Ich brauche eine Leuchtlupe. Jetzt.)

Sodann kommt der mehr oder minder schwierige Teil: Wie fummle ich das jetzt in den Wagen rein? Bei dem Postwagen war das "piece of cake", weil der nur kleine Fensterchen und keine Inneneinrichtung hat. Also habe ich den Batteriehalter etwas verschlankt und

mit Knetklebemasse (Oh Knetklebemasse! Du Wunderzeug! Helfer in jeder Befestigungsnot!) befestigt. Für den Schalter gabs auch ein bißchen von dem Zeug, vorher habe ich einen kleinen Schlitz in den Waggonboden gemacht, durch den der Schalter rausschaut. Die Batterie ist mit Absicht leicht schräg, um die Entnahme zu erleichtern. LED noch mit einem Tröpfchen Sekundenkleber unters Dach geklebt, ferdisch.

Leider leicht unscharf: Der Lichtschalter.

Schnapp, sagt das Gehäuse und zu ist der Waggon, alles funktioniert prächtig. Den Schalter habe ich noch mit schwarzem Edding weggetarnt, nun lässt sich das Licht kinderleicht an- und ausknipsen.Das Ganze sollte auch recht betriebssicher sein, das Gewicht einer CR 2032-Batterie beträgt 10 Gramm, zusammen mit dem Halter und dem zu vernachlässigenden Rest der Schaltung dürfte der Wagen weniger als 20g zugelegt haben. Dank der auf dem Wagenboden liegenden Batterie sollte sich das Fahrverhalten des Fahrzeuges nicht verschlechtern, eher im Gegentum.

Bei dem österreichischen Schmalspurwagen wird's schon schwieriger. Die Fenster sind groß, es hat eine Inneneinrichtung. Wenig Möglichkeiten für die Batterieanbringung. Schließlich fand sich unter dem Tonnendach genug Hohlraum, eine eingezogene Decke aus Pappe dient als Sichtschutz und Lampenhalter. Der Schalter ist seitlich verdeckt eingebaut.

Funktioniert auch, leuchtet. Betriebstechnisch sind da aber ein paar Problemchen zu erwarten:

  1. Der Schwerpunkt liegt jetzt eklatant höher, für einen Schmalspurwagen wahrscheinlich zu hoch. Fahrversuche werden es zeigen.
  2. Der verdeckt eingebaute Schalter ist chic, aber nur mit einem aus einer Büroklammer gebogenen Häkchen einigermaßen zu betätigen. Fummel. Nicht besonders ergonomisch.

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Fazit: Nette kleine Bastelei und führt mir den inzwischen verdammt miesen Zustand meiner Sehschärfe vor Augen (wie treffend...). Funktioniert auch lichttechnisch sehr schön.

Aaaaaaaber: Umwelttechnisch absolutes No-Go. Knopfzellen! Wegwerfware! Während der Chor der Weltretter (das sind die mit den Hybrid-SUVs) im Hintergrund sein Klagelied anstimmt, gelobe ich natürlich bei meiner Bastlerehre, daß ich die Batterien im ausgelutschten Zustand (was eine ganze Weile dauern dürfte, so 30 Betriebsstunden sollten locker drin sein) natürlich dem Recyling anheimfallen lasse. 

Nachtrag nach Betriebsbeginn: Tatsächlich hat sich die leichte Kopflastigkeit des Wagens bei den bisherigen Probefahrten praktisch nicht bemerkbar gemacht. Sieht so aus, als würden auch die anderen Wagen die Batterie unters Dach bekommen. Der Plattform-zugewandte Schalter hat sich a) nicht bewährt und b) klebetechnisch wieder gelöst, jetzt sitzt er stabil und gut zu betätigen in ähnlicher Position wie beim Postwagen. Schalter werden bei mir nur noch mit 2k-Knetmasse eingeklebt, nachdem ich ein paar mit Sekundenkleber gekillt habe (der läuft nämlich rein und Feierabend...).


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