600 PS am Zug

Und wieder ist der Bessunger Kreisbahn ein besonderes Fahrzeug "zugelaufen". Schon lange war man auf der Suche nach einer Maschine, die auch die schweren Zimtzüge der Weihnachtssaison über die teilweise topographisch anspruchsvollen Strecken der Kreisbahn befördern kann. Und tatsächlich hat man jetzt eine solche Maschine gefunden, noch dazu in guten Gebrauchtzustand. Die Ödenpullach-Berghamer-Bezirksbahn (ÖBB) hatte ihren Bestand an Dieselloks der Baureihe 2095 von 12 auf 3 reduzieren müssen, nachdem der größte Anschließer, die Schaumschlägerei Seesöder Geilertshausen, überraschend Konkurs angemeldet und den Geschäftsbetrieb eingestellt hatte.

Die Diesellok wurde im Jahr 1961 von der Lokomotivfabrik Semmeling-Glatz-Plautze (SGP) in Horst an der Birnbahn hergestellt. Sie wird von einem hauseigenen 45-Liter-12-Zylinder-Turbodieselmotor mit 600 PS angetrieben, die Kraftübertragung erfolgt dieselhydraulisch und im Drehgestell über Kuppelstangen. Mit einer Länge über Kupplung von 10,40m und einem Dienstgewicht von 31 Tonnen ist die Maschine nun die größte Lokomotive der Bessunger Kreisbahn. Abgesehen von diesen spröden technischen Daten: Der dicke Zwölfender-Diesel in der kleinen Schmalspurlok, da bleibt schon rein akustisch kein Auge trocken...

Die Lok hat sich bei Probefahrten bestens bewährt, kleinere Anpassungen des Profils waren erforderlich, die aber rasch abgeschlossen werden konnten. Momentan werden die Beschriftungen der ÖBB gegen solche der BKB ausgetauscht.

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Zum Modell:
Die im Herbst 2018 neu herausgekommene ROCO-2095 hat mich so angesprochen, daß ich mir eine habe zu Weihnachten schenken lassen. Und da ich ja nur aus dem Bauch raus Fahrzeuge anschaffe, mußte sie in der Ursprungs-Farbgebung mit hellgrauem Rahmen sein, weil mir die einfach (unter anderem wegen der umlaufenden Zierleiste) am besten gefällt. Die Lokomotive ist mein erstes Fahrzeug, das fertig digitalisiert und auch noch mit Sound angeschafft wurde. Und ich bin ehrlich gesagt sehr angetan: Die Geräusche sind von hoher Qualität, die Lautstärke ist in Ordnung und über die Funktionen 19 und 20 regelbar. Das Spielkind in mir freut sich total über Gimmicks wie die einzeln schaltbaren Führerstandsbeleuchtungen, den Sound der WEBASTO-Heizung, die man bei abgeschaltetem Diesel auf dem Abstellgleis "fönen" lassen kann oder die sehr klar verständlichen Ansagen und den Abfahrtspfiff.
Die Fahreigenschaften sind sehr gut, zumal die Lok tatsächlich ab Werk sogar mit einem Stromspeicher ausgerüstet ist. Was die Sache für mich wirklich außergewöhnlich macht, ist die Tatsache, daß man wie beim Original die Fahrstufen anwählt und die 2095 dann mit entsprechendem Geräusch antritt - aber sie setzt sich erst in Bewegung, wenn es "in echt" auch der Fall wäre, sprich nach einer gewissen Vorlaufzeit in der die Maschine "hochfährt". Wahrscheinlich gibt es dafür jede Menge Fachausdrücke, aber ich bin nur ein Modellbahnbastler und kein ausgebildeter Lokführer. Auf jeden Fall kann man den Regler (auch wenn das natürlich ganz schlechter Stil ist) einfach mal bis zum Anschlag aufdrehen und es passiert erstmal - nicht viel. Dafür hört man dann den Diesel hochdrehen bis zur gewählten Stufe und allerlei hydraulische und mechanische Geräusche, dann setzt sich die Lok gaaanz geschmeidig in Bewegung. Das geht also ein ganzes Stück über eine normale Beschleunigungszeiteinstellung beim Decoder hinaus. Alte Digitalhasen sagen jetzt wahrscheinlich von ganzem Herzen "Gäääähn!", ich bin futsch und weg. Geil. 

 


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