Ein dreideegedruckter Schneepflug

27.09.2015 Heute habe ich zum ersten Mal etwas bei Shapeways bestellt. Sehr gewagt für ein Low-Budget-Projekt wie meines. Aber es gab 10 Dollar Erstkundenrabatt und der Dagobert in mir hat dann doch die Oberhand gewonnen. Natürlich habe ich mir nicht das beste Material gegönnt, aber da das bestellte Modell ja eher glattflächig daherkommt, hoffe ich, daß das günstigere Material zum halben Preis auch ausreicht.

Ganz wichtig: Ich bekomme nix von Shapeways für die Erwähnung, nada, keinen Cent, keinen Sonderrabatt - nicht mal ein gemischtes Eis mit Sahne. Das ist auch gut so, denn ich vertrage keine Sahne. Ich habe halt Shapeways gewählt, weil dort mein Wunschmodell im Programm war. Es gibt noch jede Menge anderer 3D-Druckanbieter, die man sich gerne einfach mal ergooglen kann. Bestimmt sind da noch ein paar ganz knuddelige drunter, die man sofort ins Herz schließt und komplett heiraten möchte, aber eventuell auch muffelige Kundenfeinde mit miesem Service. Ich habe keine Ahnung, wer sich in diesem Dienstleistungsbereich wie geriert und enthalte mich daher jeder Wertung oder Empfehlung.

Wer Shapeways noch nicht kennt: Das ist ein 3D-Druck-Dienstleister, bei dem man ganz erstaunliche Sachen herstellen lassen kann. Entweder erstellt man selbst Daten dafür (wofür ich zumindest derzeit weder die Nerven noch das nötige Wissen besitze) oder man sucht sich eines der von Dritten angebotenen Modellen heraus, wählt das Material und den Maßstab und - heidewitzka - brummt bei Shapeways der 3D-Drucker. Das ganze Thema ist ja sauinteressant, gerade wenn es um Modelle geht, die nur einen kleinen Liebhaberkreis bedienen. Inzwischen gibt es auch kleine Drucker für den Heimbedarf für deutlich unter 500 Euro zu kaufen, wobei mir persönlich die Druckqualität dieser Geräte für den HO-Bereich noch zu grob erscheint. Ich denke aber in 5 Jahren gehört so ein Gerät wahrscheinlich in jede ernstgemeinte Modellbauwerkstatt... mal sehen.

Das Modell, welches ich mir ausgesucht habe, ist ein Schmalspurschneepflug der Bauart Meiningen. So wie hier zu sehen. Die Teile wurde zwar erst Ende der 80er Jahre gebaut, aber wer Meiningen kennt, weiß daß diese Pflüge 30 Jahre vorher wohl nicht allzuviel anders ausgesehen hätten. Außerdem gefällt er mir einfach ganz gut. "Basst scho" sagt der entspannte Österreicher bei solcher Gelegenheit.

Bei Shapeways gibt es nur eine gerenderte Voransicht und ein Bild eines früheren Bestellers. Mir erscheint bei den 3D-Druckteilen die Oberfläche immer entweder recht körnig oder man sieht deutlich die Zeilen des Druckvorganges. Ich habe mal das polierte weiße Material gewählt, vielleicht ist es ja glatter - oder kompletter Murks, ich bin sehr gespannt.

06.10.2015 Hurra! Der Schneepflug ist bei Shapeways fertig gedruckt und schon auf dem Weg, wie mir das Fertigungs-O-Meter auf der Seite des Druckdienstleisters verrät:

Und ein Klick auf die angegebene Treckingnummer zeigt mir, daß das gute Stück sogar schon in Mannheim verwerkt und vertrokken wurde. Klingt ein bißchen nach "verwelkt und vertrocknet", aber es handelt sich hier nicht um Tulpen aus Amsterdam, sondern einen sächsischen Schneepflug aus Eindhoven (denn da sitzt die europäische Dependance von Shapeways). Auf deutsch heißt das nüchtern "verarbeitet und versendet". Ich mag das Niederländische, das ist eine wirklich schöne Sprache mit Charakter und für mich Sprachrübe auf angenehme Weise drollig.

Das bedeutet, daß das Gerät morgen hier einschlägt - schaumermal.

07.10.2015 Tatsache: Als ich heute nach Hause kam, wartete schon ein hoppeleichtes Päckchen mit jede Menge Plastikpackmaterial drinnen auf mich:

(Ich habe die ganzen Codes usw. mal "analog" unkenntlich gemacht, schließlich ist im Internet ja niemandem zu trauen...)

Zwischen all den Polsterbubbles fand ich dann die Tüte mit dem Schneepflug. Damit man sie leichter findet, hat sie einen funny blauen Stern draufgedruckt.

Tadaa - endlich ausgepackt: Der Schneepflug aus Sachsen, wo die scheenen Mädschn auf den Bäumen wachsen. Leider auch inzwischen jede Menge matschiges Kernschrottobst der Sorte "Pegida". Schade.

Auch wenn es so aussieht, das Ding ist nicht aus Würfelzucker... Die Oberfläche zeigt weniger "Druckzeilen" als vielmehr eine relativ gleichmäßig körnige Struktur. Gaaaanz feine Details sind da nicht so drin, aber wie bereits erwähnt habe ich das Teil ja auch aufgrund seiner relativen Glattflächigkeit herausgesucht. Trotzdem muß die Oberfläche noch deutlich glatter werden. Das doppelt so teure Material wäre in Bezug auf Details und Oberflächengüte wohl ein ganzes Stück besser, aber auch wesentlich empfindlicher, was man so im Internet lesen kann. Mir gefällt die Stabilität sehr gut, man muß keine Angst haben, daß etwas beim Anfassen kaputt geht. Es gibt verschiedene Ideen zum Glätten des Materials, die ich jetzt mal antesten werde. In Modellbauforen im Internet tobt auch darüber - so wie über fast alles - ein leidenschaftlich und mit allen Mitteln gegenseitiger Erniedrigung geführter Krieg, genauso wie über die Materialwahl an sich. Wie gut, daß ich mir das teure Zeug nicht leisten kann. Sonst hätte ich mich die ganze Zeit selbst beschimpfen müssen und hätte das nette Fahrzeug nie auf dem Schreibtisch stehen.

 


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