Rama dama

Die Sammler von Plastikdevotionalien des 2. Weltkrieges müssen (so sie überhaupt bis hierher vorgedrungen sind) jetzt ganz stark sein: Ich demilitarisiere ein Fahrzeug der "krroostoitschen Lufftfaffe". Göring, der fette Junkie in Operettenuniform, hätte das jetzt eher so mittelgut gefunden, kriegt das aber in der Hölle nicht mit. Prima.

Die Firma Busch liefert seit einiger Zeit auch Abwandlungen ihres Sortiments in Wehrmachts-Outfit (Für die "Das wird man ja wohl noch kaufen dürfen!"-Kundschaft). Dank eines Ausverkaufes konnte ich einen Mercedes 170 Pritsche/Plane mit Schneepflug äußerst preiswert erstehen (Stichwort: Halber Preis) und da konnte ich altes Sparbrötchen natürlich nicht nein sagen. 

Frisch angekommen, wurde das gute Stück erstmal zerlegt. Klingt einfach, artet aber in lauter kleine Mutproben aus, weil das ganze Gefährt mit einer Art Kontaktkleber zusammengepappt ist, der zwar wie Kunststoffkleber das Material leicht anlöst, aber gleichzeitig eine eigene, leicht zähe und "materialauftragende" Konsistenz besitzt. Mit dem richtigen Grad an Brutalität lassen sich die Einzelteile größtenteils zerlegen, ohne etwas zu beschädigen. Der Dachgepäckträger ist ein nettes Detail, aber dank großzügiger Füllung mit dem merkwürdigen Kleister bei der Befestigung des Reservereifens scheinbar ziemlich unbrauchbar, weil nun sichbar mit Schmodder gefüllt. Bei näherem Rumprobieren erweist sich die Kleistermasse als nicht gerade Meisterklasse, tatsächlich läßt sich der Reserveradkleber mit Geduld und verschiedenen spitzen Impro-Werkzeugen abrubbeln. 

Das Modell ist ein alter Bekannter aus seligen PRALINE-Zeiten, auch wenn am Boden jetzt deutlich höherliegend (weil tiefer eingraviert) "Busch" steht. Unter dem Aufbau verbirgt sich ein ganz normales Limousinen-Fahrgestell mit Rücksitzbank, auf die der Pritschenboden einfach aufgeklebt ist.

Der Kälteschutz vorm Kühler (den ich dann doch nicht wiederverwende) und die Pritschenfläche nebst Inneneinteilung bestehen aus gelaserter Pappe. Zwei Streusalz-Säcke befinden sich auf der Ladefläche.

Das ein Tarnnetz mimende Stück Schwammtuch über der Plane hätte ich gerne schnell wie ein Windhund entfernt, leider erweist sich die Verklebung als zäh wie Leder, sodaß ich das Gefühl habe, tausend Jahre daran herumzufummeln, bis das Zeug endlich ab ist. Dieser Arbeitsschritt war wirklich hart wie Kruppstahl. Nagellackentferner bringt dann doch noch den Endsieg über das Zeugs auf der Plane.

Dann erst mal eine Grundierung fein drübergespritzt. Danach eine Schicht in verschiedenen Rosttönen. Ich habe Fahrgestell und Karosserie verwitterungstechnisch erstmal als Testfelder genutzt und unterschiedlich behandelt: Die Fahrgestellteile (Kotflügel, Trittbretter, Stoßstangen, Felgen) bekommen eine Zwischenschicht aus punktuell aufgepinseltem Chipping Medium, bei der Karosserie wende ich erstmals die Salzmethode an. Das geht recht einfach, man feuchtet die später mit Lackabplatzungen versehenen Stellen an und streut Salz drauf. Kurz antrocknen lassen (geht schnell, weil das Salz das Wasser anzieht) und dann mit dem Decklack drüber. Das ganze Fahrzeug bekommt ein helles Grau, wie es in den Zeiten vor dem "Kommunalorange" gern genommen wurde. 

Ergebnis der Studie: Beide Methoden haben ihren Charme. Das Salz erzeugt nach dem Abrubbeln mit einem Borstenpinsel recht scharf umrissene, natürlich wirkende Abplatzungen. Die Körnung bestimmt dabei die Größe. Das Chipping Medium läßt das Ganze mehr nach aufgequollenem, unterrosteten Lack aussehen.

Am Ende bekommt das Fahrzeug natürlich noch eine Gesamtbehandlung mit Rostfarben und verschiedene "Washes". Das Schneeschild habe ich in Orange lackiert, durch die Verwendung von Salz schaut schön das blanke Metall durch (das ich mit Stahlfarbe vorher aufgepinselt habe).

Und siehe da: Frieden ist machbar, Herr Nachbar. Schon schiebt der Benz statt Landebahnen für Jagdflieger ganz zivil Schnee in Sandberg, sehr zur Freude der Bewohner des Städtchens. Und das ist sogar authentisch, denn nach dem Krieg wurden viele ehemalige Militärfahrzeuge, sofern noch halbwegs fahrbereit, nach günstigem Erwerb auf diese Art zweitverwertet. Na gut, der Gute hat es schon ziemlich hinter sich...

(Bilder bitte anklicken für größere Ansicht mit Erläuterungen)

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