Einfach mal'n Decal draufmachen...

Wie dem aufmerksamen Besucher sicher nicht entgangen ist, gehört die mehr oder minder ernsthafte Individualisierung von Modellen durchaus zu meinen Steckenpferden. Bislang habe ich da verschiedene Methoden angewendet, die einfach, preisgünstig und natürlich mit gewissen Nachteilen behaftet waren. Man kann zum Beispiel selbstverständlich Modelle mit Vinylfolien aus dem Plotter beschriften, das trägt halt nur entsprechend auf (zwar ist eine Plotterfolie nur um die 0,07mm stark, das entspricht aber in 1:87 einer Stärke von mehr als 6mm - Welche Lackierung ist so dick?). Auch die Methode mit Potch zu patchen (alternativ: potchen mit Patch) hat wie beschrieben recht ordentliche Ergebnisse gezeitigt, wenn auch nicht ganz in der Qualität einer Bedruckung oder zumindest eines Wasserschiebebildes.

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Eben jene - in Fachkreisen salopp beim englischen Namen Decal gerufen - sind ja seit gefühlten Äonen allgemeiner Standard bei Modellbausätzen und die inzwischen benutzten Folien sind wirklich hauchdünn. Man kann also mit Fug und Recht sagen: Das Decal kommt gleich nach dem direkten Druck. (Dazwischen drängelten sich einst die Anreibebeschriftungen, die aber praktisch vom Markt verschwunden sind).

Dabei ist es weit weniger problematisch, an Wasserschiebefolie zu kommen, als sie perfekt zu bedrucken. Die Folie gibts in reicher Auswahl bei einschlägigen Händlern im Netz, sogar Tintenstrahlertauglich. Dumm dabei: Nutzt man den heimischen Drucker oder den beim Copyshop um die Ecke, fehlt eine wichtige Farbe: Weiß. Denn damit müsste man alle Farben, die auf dunklere Untergründe als die Farbe selbst aufgebracht werden, erstmal unterdrucken. Normale Feld- Wald- und Wiesendrucker wie der Tintenstrahler für 59 Euro, der bei vielen auf dem Schreibtisch steht, können so etwas aber nicht. Druckertinte und -toner ist systembedingt immer lasierend. Es gab mal von der Firma ALPS einen Thermotransferdrucker, der in der Lage war, mit furchtbar teuren Bandkartuschen weiß (sowie verschiedene andere Sonderfarben, sogar Silber und Gold) zu drucken. Der Drucker wurde auch unter verschiedenen anderen Labels verkauft und geistert noch heute aus eben diesem Alleinstellungsmerkmal zu brutalen Preisen durch ebay. Inzwischen gibt es aber andere entsprechende Weißdrucker und auch weißen Toner für handelsübliche Laserdrucker, natürlich auch mit unvermeidlichem Preisaufschlag gegenüber dem schwarzen Standardtoner. 

Andere Möglichkeit: Druckservice nutzen. Da schickt man ein PDF hin und bekommt das Ganze auf Decalfolie ausgedruckt zurück, das kostet relativ wenige Euros und hat den Vorteil, daß natürlich mit gescheiten Druckern gearbeitet wird. 

Vorigen Herbst hat mein Arbeitgeber unsere Druckerei nun auch mit einer Digitaldruckmaschine neuester Bauart ausgerüstet, die noch dazu die Option hat, ein Farbwerk auf weißen Toner umstellen zu können. Da wir auf der Suche nach Anwendungen für den weißen Toner waren, fiel mir natürlich spontan die Möglichkeit des Decal-Drucks ein. Also habe ich mir eine Packung Wasserschiebefolien für Laserdrucker gekauft und mich am Wochenende zuhause hingesetzt und einen Decalbogen entworfen. Dann haben wir drei davon erst mit weiß und dann mit den Grundfarben bedruckt und die Ergebnisse waren beeindruckend. Natürlich ist das noch nicht absolut perfekt, weil man manche Aspekte natürlich im Vorfeld nicht bedenkt. Trotzdem bin ich mit dem Versuchsballon sehr zufrieden und habe natürlich gleich angefangen, am Ende der Saison nochmal allerlei Fahrzeuge zu beschriften.

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Problematisch ist dabei, daß das Trägerpapier der Wasserschiebefolie leider auch weiß ist. Dadurch kann man die rein weißen Schriften und Felder nur sehen, indem man sie im Licht hin- und herbewegt, da sie ein kleines bißchen anders weiß sind als der Träger. 

Ich bin jetzt also auf der Suche nach einem Lieferanten für Decalfolie mit farbigem Träger und wenn die dann vorhanden ist, wird die Druckerei das Drucken von Decals wahrscheinlich auch als Service anbieten. Näheres an dieser Stelle, sobald da etwas spruchreif ist. Abmahner bitte aufpassen: Ich verdiene daran persönlich nichts extra, auch keine Provision oder so etwas.

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Der fertige Düdo macht (vor allem für den ersten Versuch) einen wirklich guten Eindruck. Ich habe die Decals mit "Mr. Mark Softer" von Gunze bepinselt, der Effekt blieb bescheiden, aber ich vermute, daß das Zeug etwas überlagert sein dürfte - da klebt noch ein DM-Preisschild drauf... Es ist aufgrund der notwendigen zwei Druckvorgänge relativ unmöglich, die Farbe absolut passend auf das Weiß zu bringen. Zwar habe ich die Farbe schon etwas "überfüllt", aber es blitzt doch noch hie und da herus. Wobei es mich nicht wirklich stört, es entsteht ja so eine Art "3D-Schrifteffekt", der ja im Original durchaus gewollt sein kann.

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Auch die ersten Schienenfahrzeuge sind meiner schiebebildernden Hand nicht entkommen. Die V11 trägt jetzt endlich das Kürzel ihrer Bahngesellschaft auf der Seite. Und die ehemalige 2095 eröffnet das neue Nummernschema der BKB, das die Fahrzeuge nach ihrer Leistung in PS bezeichnet. Bei dem BKB-Logo an dieser Lok sieht man auch, daß ich die weiße Unterfläche in diesem Fall zu knapp gehalten habe. Erster Versuch halt... 20190202 090747

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