Ich habe mir eine ganz schöne Krippe geholt

Sicher ist eine Krippe für manche der Inbegriff weihnachtlicher Schwülstigkeit und Frömmelei. Da aber zur Weihnachtszeit meine Begrenzer in dieser Beziehung in der Stellung "noch relaxter als sowieso schon" einrasten, bin ich zu dem Ergebnis gekommen: Kitsch hin oder religiöser Schwulst her, eine Krippe gehört dazu. Und wenn sie nur dazu dient, an den eigentlichen Zweck dieses Festes zu erinnern, nämlich die allererste Geburtstagsparty von Jesus. Jeder mag ansonsten dazu stehen wie er will (wobei ich eigentlich ganz interessant finde, daß selbst die abendländischsten Besorgtbürger voller Inbrunst an Weihnachten eine Flüchtlingsfamilie aus dem Morgenland feiern. Und wenn bei Penny neben den Weihnachtsmännern (invented by Coca-Cola) auf einmal "Zipfelmännchen" stehen, ist das Ende der Christenheit praktisch beschlossen und verkündet. Knallköppe.)

Doch zurück zum Thema. Das Erdgeschoß des Rathauses von Sandberg harrte seit letztem Jahr bereits beleuchtet einer sinnigen Verwendung. Warum also nicht nach dem Vorbild von Rothenburg ob der Tauber eine Krippe mit lebensgroßen Figuren dort einziehen lassen? Die Krippenausstattung kommt zum Teil ebenfalls aus Rothenburg (von Preiser: Jesus, Maria und Josef sowie die Heiligen Drei Könige) und von Noch (Schäfer mit Schafen, Bauernhoftiere). Da ich sie bereits im letzten Weihnachts-Kehraus besorgt habe, konnte ich sie für die Hälfte erstehen. Religion muß nicht die Welt kosten.

Jetzt fehlt nur noch - analog zur Rothenburger Präsentation - ordentlich Stroh auf dem Boden für die richtige Stall-Atmo. Nun war es Sonntag mittag, kein Modellbahnhändler hatte Notdienst (eigentlich gibt es überhaupt nur noch einen - dafür sehr netten - in dieser Stadt) und Gold, aus dem man hätte Stroh spinnen können (oder war das umgekehrt?) hatte ich keines da. Google ist aber allen Unkenrufen zum Trotz mein Freund und so habe ich herausgefunden, daß man aus alten Pinseln ein gar vortrefflich Stroh gewinnen kann. Also habe ich kurzerhand einem ollen Chinaborstenkameraden einen zackigen Haarschnitt verpasst und so einen ganzen Haufen Stroh zum Quasi-Nulltarif erzeugt. 

Nächster Schritt: Stellprobe. Schnell wurde klar, daß eine der Säulen weichen muß und die ganze Breite des Raumes für das ganze Ensemble benötigt werden würde. Immer mal wieder Blickachsen kontrollieren ist sehr wichtig, das Ganze ist eh schon ein "Suchmich", dann sollte man es auch schön sehen können, wenn man es gefunden hat.

Dann satt Klebstoff draufgepinselt und die Figuren entsprechend platziert (Tipp: Ein Handyfoto von der Stellprobe ist ein guter Ersatz für Hirn-wie-Sieb) und abschließend das echte Chinaborstenstroh satt reingestreut. Sieht ganz ähnlich aus wie in Rothenburg ob der Tauber.

Schließlich habe ich das ganze Rathaus wieder zusammengesteckt (das war schon eine tolle Technik, die Kibri damals entwickelt hat) und an den Arduino für die Lichtsteuerung angeschlossen. In der Arkadenhalle leuchtet es natürlich dauerhaft.

(Habe ich übrigens schon erwähnt, daß ich Googlefonts nutze? Falls nicht: Ich nutze Googlefonts. Ich gebe es zu, im Impressum steht es auch (in der Datenschutzerklärung), Abmahnung also nicht notwendig.)

     

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