Pitsch, Patch, Potch: Beschriftungen.

Neulich (keine Ahnung mehr wann, irgendwann im Sommer) überflog ich in der Stadtbücherei das eisenbahn magazin (die Kleinschreibung ist gewollt und Markenzeichen. Ich bin kein Freund von allgemeiner Kleinschreibung. Das macht das Leben nur noch unübersichtlicher, man denke nur an den Satz "helft den armen vögeln"...). Ich blätterte mich also wie so oft durch das altehrwürdige Magazin (Ausgabe 6/2016) und fand einen Basteltipp, der sich mit dem Beschriften von allerlei Modellbausachen, vorwiegend aber Autos beschäftigte. Und zwar unter Benutzung eines merkwürdigen Zeugs, das ganz offensichtlich in der Lage ist, den Toner (und nur den) von einem Laserausdruck (ganz gleich ob farbig oder nur schwarz gedruckt) auf Gegenstände aus fast beliebigen Materialien zu übertragen. Und da ein Modellbahnfahrzeug nunmal in die Kategorie "Gegenstand aus fast beliebigen Materialien" fällt - bingo.

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Super Idee hatten die em-Modellbauer da (und ich unterstreiche hiermit noch einmal energisch, daß ich diese Idee dort gefunden habe - fremde Federn kitzeln auf Dauer nur unangenehm), ich habs gleich ausprobiert und mir im Bastelbedarf meines absoluten Vertrauens einen Topf weißen Glibber namens "Photo Patch" geholt. Es gibt auch einen Konkurrenztopf von der Glibberproduktionskonkurrenz, der sich dann aber "Transfer Potch" nennt. Pitsch, Patch, Potch, Namen sind Schall und Rauch (und werfen hier aus manchen Perspektiven ein eher ungünstiges Licht auf gewisse Marketing-Kreative), aber funktionieren tun beide Glibber ganz prima. Und bestimmt auch die Glibber der anderen Anbieter auf dem Transferglibbermarkt, um mal den immer schwelenden Vorwurf schleichender Werbung aus dem Wege zu schaffen. Ich weiß das deshalb, weil die em-Mannen mit Potch gearbeitet haben, ich mit Patch, wir uns aber in der Bewertung beider Substanzen absolut einig sind: Das haut hin. Man schaue sich nur Erwin Tennschens neues altes Fahrzeug an, das nun mit griffigem Spruche auf der Plane in die neue Saison starten kann!

Wie potcht man denn jetzt mit dem Patch? Im Grunde genau so, als würde man mit Potch patchen. Nämlich so:

Die notwendigen Zutaten: Das Fahrzeug (Hanomag!), der Glibbertopf, ein Pinsel (preiswerte Bauart genügt vollauf) und ganz wichtig ein passender spiegelverkehrter Farblaserausdruck.

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20161116 19360020161116 193834Dann 20161116 19385720161116 194003einfach die gewünschte Anbringungsfläche und den Ausdruck satt einpinseln, die Beschriftung auflegen (natürlich mit der Druckseite auf die Fläche) und andrücken. Trocknen lassen. Am besten über Nacht, mindestens aber ein paar Stunden. Richtig trocken halt. Man kann natürlich auch mit dem Fön nachhelfen, da habe ich aber gewisse Befürchtungen, daß sich was verziehen könnte.

Schließlich - also im komplett durchgetrockneten Zustand - unter fließendes Wasser damit und das Papier runterrubbeln. Und siehe da - die Beschriftung prangt jetzt auf der Plane. Am Ende sollte man das Ganze noch mit mattem Klarlack überziehen, um eventuell vorhandene Restpapierschichten wirkungsvoll auszublenden. Mit sehr geringem Aufwand hat jetzt auch der bekannte Sandberger Getränkeservice von Karsten Bihr ein Lieferfahrzeug, auf das er zu Recht stolz sein kann. Und schon kennen alle den griffigen Werbespruch: "Bei Durst ruf: Bihr!" (So what, ihr Milchjieper!)

Ok, wie man natürlich auch sieht, kann es immer mal passieren, daß eine Ecke nicht perfekt hält oder man beim Abrubbeln der Papierschicht etwas zu motiviert rangeht, wie man auf den Bildern an der Unterzeile sehen kann. Solche Fehlstellen entstehen außerdem auch, wenn das Papier nicht blasenfrei angelegen hat. Deswegen immer sorgfältig andrücken! In diesem Fall nicht so richtig schlimm, weil ich den Hanomag eh etwas mit Schmutz "veredeln" möchte, mit dem man solche Fehlstellen recht praktisch überdecken kann.

Wenn es aber richtig kaputt geht beim Abrubbeln? Dann zurück auf "Los" - mit Reinigungsalkohol und etwas Schrubben bekommt man die Beschriftung auch wieder runter und kann von vorne anfangen. Ein weiteres Problem ist die Anbringung "im Blindflug", weil man ja durch das Papier nicht sehen kann, wo sich die Beschriftung gerade aufhält. Man sollte also beim Ausschneiden möglichst exakt vorgehen, damit man die Papier- als Bezugskanten benutzen kann.

(Habe ich übrigens schon erwähnt, daß ich Googlefonts nutze? Falls nicht: Ich nutze Googlefonts. Ich gebe es zu, im Impressum steht es auch (in der Datenschutzerklärung), Abmahnung also nicht notwendig.)


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