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Die Bessunger Kreisbahn

Eine Schmalspurbahn irgendwo in Südwestdeutschland

21.01.2026 15:18

Mehr Licht

Es soll ja einst der größte deutsche Dichter auf den Sterbebett gerufen haben "Mehr Licht!" - da Goethe aber aus Frankfurt war, wissen wir Hessen natürlich , dass der Mann nur sagen wollte "Mer liecht hier so schlecht!" und diesen Satz einfach nicht mehr zu Ende bekam.

Wendet man sich vom Ende eines Dichterlebens zur niemals endenden Aufgabe der stilvollen Beleuchtung einer Modellbahnanlage, finden sich etliche brillante Ideen für die Simulation vorbildgerechter Er- und Beleuchtung. Auf eine davon hatte mich ja dankenswerterweise ein Forenkollege aus dem Stummiforum hingewiesen. Die in dem verknüpften Thread gezeigten Leuchtreklamen sind einfach genial.

Wie bereits erwähnt, hat sich aber eine Anwendung dieser Methode beim Feinkostladen "Dudene" aufgrund bautechnischer Gegebenheiten (und der Grundsätzlichen Katastrophenneigung des Bauherrn) nicht ergeben. Aber beim ebenfalls Müllerschen Bruchbudenbau des Fleischwarenladens am Bonhoefferplatz wäre das perfekt anwendbar gewesen: Die von Meister Müller ins Modell integrierte Schrift steht mittig auf einer rechteckigen Fläche, die man mit überschaubarem Aufwand und Risiko aus der Fassade entfernen könnte, um dort einen Leuchtkasten gemäß der Methode der Kollegen aus dem HO-Modellbauforum einzusetzen. Gegen dieses Projekt sprach also nichts, sieht man mal von dem Aufwand (konstruieren, 3D-drucken, einbauen) ab und der Tatsache, dass ich mit der Suche nach einer geeigneten Schrift nicht so richtig erfolgreich war. Außerdem gefiel mir das verschnörkelte "Fleischwaren" eigentlich ganz gut...

Bei der näheren Betrachtung des Gebäudes kam mir ein schräger Gedanke: Das benutzte Resin ist "wollweiß" und durchaus durchscheinend, weswegen man die "Bruchbuden" ja entweder innerlich schwarz auslackieren oder eine entsprechende Papiermaske basteln muss. Was, wenn man sich die grundsätzliche Technik mit dem Leuchtkasten zu eigen macht, aber die vorhandene Schrift benutzt? Sicher wird das nicht so knackig, aber vielleicht muss es ja gar nicht... außerdem wäre im Falle des Scheiterns dieses Versuches (immer an das Mythbusters-Motto denken: "Failure is always an option") ja nichts verloren und man könnte immer noch die Resinsäge schwingen.

Also, Ausgangslage - die originale Schrift, wie von Meister Müller gestaltet. Ich hatte sie im Ermangelung besserer Ideen blau hervorgehoben.

https://www.bessungerkreisbahn.de/images/stummi/leuchtrek-1.jpg

Die Innenansicht des Gebäudes. Ich lackiere die "Bruchbuden" generell innen mattschwarz aus, um Durchscheinen zu vermeiden. Die gesprenkelte Oberfläche entsteht danach, wenn ich das Gebäude von außen grundiere und dabei natürlich keine Rücksicht auf die schwarze Innenlackierung nehmen brauche. Die hier rot hervorgehobene Zone ist der ungefähre Platz der Schrift an der Frontseite. In dem Bereich habe ich die Innenlackierung entfernt (was dank Acryllack mit ein paar Wattestäbchen und Methoxypropanol schnell erledigt ist).


[img]https://www.bessungerkreisbahn.de/images/stummi/leuchtrek-2.jpg[/img]


Nach der mit gleicher Methode erfolgten Entfernung der blauen Farbe und der Grundierung auf der Schrift zeigt sich das cremeweiße Resin.


[img]https://www.bessungerkreisbahn.de/images/stummi/leuchtrek-3.jpg[/img]


Um das Ganze von hinten zu durchleuchten, braucht's schon etwas "Bums", deswegen habe ich einen Leuchtkasten konstruiert und gedruckt, in den ich 7 ultrahelle kaltweiße 5mm-LEDs eingesetzt habe.


[img]https://www.bessungerkreisbahn.de/images/stummi/leuchtrek-5.jpg[/img]


Die Rückseite dieser Leuchtkiste ist deutlich in der Kategorie "Schönheit wird überbewertet" einzuordnen, das Gerät selbst funktioniert aber sehr ordentlich. 


[img]https://www.bessungerkreisbahn.de/images/stummi/leuchtrek-4.jpg[/img]


Nachdem ich die Leuchtkiste getestet habe und mein Augenlicht langsam zurückkehrt (diese LEDs sind wirklich arg hell, mein lieber Scholli...), klebe ich die Hütte sorgfältig ab und lackiere mit der Airbrush und Elita-Farben erst schwarz (davon habe ich kein Bild, auch wenn ich schwören könnte, ich hätte eins gemacht...) und nach ausreichender Trocknung dann weiß drüber. Ein kurzer Test zeigt: Da geht kein Licht durch, so soll es sein.


[img]https://www.bessungerkreisbahn.de/images/stummi/leuchtrek-6.jpg[/img]


[img]https://www.bessungerkreisbahn.de/images/stummi/leuchtrek-7.jpg[/img]


Dann habe ich mir ein passendes Schleifpad mit Griff gedruckt und 600er Nasschleifpaier draufgeklebt...


[img]https://www.bessungerkreisbahn.de/images/stummi/leuchtrek-9.jpg[/img]


...und ganz vorsichtig die Farbe von der Frontseite der Schrift runtergeschliffen. Auf dem Bild sieht man das darunterlackierte Schwarz ganz gut. 


[img]https://www.bessungerkreisbahn.de/images/stummi/leuchtrek-10.jpg[/img] 


Dann nochmal den Leuchtkasten exakt positioniert, fertig. Der Kasten ist im übrigen nach innen mit schwarzem Isolierband abgeklebt und auch befestigt. Ich hatte ihn erst mit ein paar Tropfen Klebstoff angeheftet, aber danach festgestellt, dass er noch viel zu hoch angesetzt war. Das Klebeband ist eh nötig, um Lichtlecks durch Spalten zu schließen und die LEDs nach hinten abzudecken. Das funktioniert auch.


[img]https://www.bessungerkreisbahn.de/images/stummi/leuchtrek-11.jpg[/img]


Danach ist das Gebäude wieder an den Bonhoefferplatz gekommen und ich finde den erzielten Effekt angesichts des Aufwandes vollkommen in Ordnung. Natürlich hat das Ganze nicht die knackige Schärfe der Neonschilder aus dem HO-Modellbahnforum, aber irgendwie ist das durch die Resinfarbe erzeugte funzelig-gelbliche Licht dieser Leuchtschrift doch passend. Ich habe mich aber nicht getraut, es zusätzlich noch einzufärben, um nicht die Leuchtkraft zu reduzieren. Eine helle Farbe wie gelb oder orange würde vermutlich gehen, oder ein ganz helles blau.


[img]https://www.bessungerkreisbahn.de/images/stummi/leuchtrek-12.jpg[/img] 


Man hätte natürlich die Fläche von innen dünner schleifen können und auf diese Weise mehr Licht in die Schrift bekommen. Das hätte aber dann eher [b]vor[/b] dem Zusammenbau des Gebäudes erfolgen müssen, weil es da flach liegend bearbeitbar gewesen wäre. Im Nachhinein da mit einem Schleifer innen rein zu fummeln ist so eine Sache und schnell hat man es durchgeschliffen...


Die Schaufenstereinrichtung (die eh schief eingeklebt war ) habe ich natürlich für die Arbeiten entfernt, die WAGO-Klemmen sind auch an die andere Seite gewandert, weil sonst nicht genug Platz für die Leuchtkiste gewesen wäre. Das Innenskelett des Gebäudes hatte ich ja schon vorher teilweise mit schwarzem Sprühlack und Klebeband "getuned", um die Beleuchtung auf das betreffende Zimmer zu beschränken. Das sieht nicht hübsch aus, aber aufgrund der sehr kleinen Fenster sieht man davon nicht viel, außerdem kommen noch Gardinen rein, die das Geklecker endgültig kaschieren.


[img]https://www.bessungerkreisbahn.de/images/stummi/leuchtrek-8.jpg[/img] 


Die Inneneinbauten der nachfolgenden Gebäude habe ich dann in schwarzem PLA gedruckt, was solche Klimmzüge unnötig macht. Wenn die Fenster einen Einblick in die Zimmer zulassen, kann man ja mit aufgeklebten Tapeten arbeiten.


22.10.2025 13:25

Zimt, stimmt.

Es geht weiter mit dem Zimtwerk und langsam wird es vorzeigbar. Das Teil sieht gegenüber dem bisherigen Vollmer-Kieswerk-Klassiker ziemlich  massiv aus, ist aber tatsächlich im ähnlicher Bauhöhe wie die  Kibri-Fachwerkhäuser am Marktplatz unterwegs. 






"Obenrum" ist auch weiterhin alles aus MDF gelasert, auch die Fenster und Fenster-Zierrahmen (da fehlen noch die um die großen Fenster). Die beplankten Flächen sind mit einer Drahtbürste ordentlich abgeschrubbt, die entstandene Oberfläche gefällt mir so gut, dass ich da außer einer Mattlackschicht und sanfter Verschmutzung vermutlich nichts mehr daran machen werde (ok, natürlich wird eine Menge Schnee fallen...). Das ganze Gebäude wächst fast schon organisch, ich arbeite mich so von Gebäudeteil zu Gebäudeteil durch und ergänze entsprechend den zu umbauenden Teilen, wie z.B. dem Seilbahnantrieb. Von den Mini-Erkern habe ich ein paar auf Vorrat gelasert, die kann man dann immer mal an passenden Stellen platzieren (oder wie bei dem bereits montierten Mini-Erker an einer Stelle, wo aufgrund eines Messfehlers die Sockelmauer rausgeschaut hat). Alles ist nicht ganz perfekt gerade, aber genau dadurch gewinnt das Gebäude meines Erachtens immer mehr an Charakter. Die Dächer drucke in mit dem 3D-Drucker, weil sie in Profilblech ausgeführt werden sollen (und das Meiste davon eh unterm Schnee verschwindet)

Ein Schild für die nach vorne zeigende Seite des Siloteils habe ich auch schon, hier mal provisorisch angehängt zur "Erfassung der Anmutung"... auch jenes bekommt natürlich noch eine angemessene Anschmutzung.